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Sepp Daxenberger zu Gast bei Laufer Grünen

Glückliche Kühe, grüner Bürgermeister


LAUF (ass) — Er hat bereits geschafft, was der Laufer Grünen-Kandidat Benedikt Bisping im Frühjahr erreichen will: Sepp Daxenberger, der Vorsitzende der bayerischen Grünen, ist seit 1996 Erster Bürgermeister – und das im oberbayerischen Waging. Während eines kurzen Besuches in Lauf ließ sich der 45-Jährige am Donnerstag deshalb gerne in die Karten blicken.

Einer der ersten Stopps auf der Tour durch das Stadtgebiet: Der Biobauernhof von Christa und Jens Binder in Beerbach. Daxenberger, kariertes Hemd und Jeans zum Sakko, steht auf einer Weide am Ortseingang. Im Hintergrund grast – fast wie im Bilderbuch – eine kleine Kuhherde. Der resolute Grünen-Politiker ist in seinem Element, fachsimpelt mit den Bauern. Daxenberger, gelernter Schmied, bewirtschaftet selbst 17 Hektar Land, natürlich ökologisch. Die Eltern helfen mit auf dem Hof, wenn der Sohn wieder einmal für die Grünen unterwegs ist. Zehn Kühe hat er noch, daheim in Waging.

Und weil er Bio-Landwirt aus Überzeugung ist, kommt Daxenberger schnell ins Räsonieren: „Man muss den Leuten zeigen, dass Landwirtschaft auch anders geht. Gentechnikfrei zum Beispiel.“ Er erkundigt sich nach der Vermarktung der Bio-Produkte, will wissen, wie viele Bauern in der Gegend noch von ihrer Arbeit leben können. Jens Binder erzählt ihm, dass es nicht mehr viele sind. 

Agrarpolitik ist ein wichtiges Thema für den ersten grünen Bürgermeister im Freistaat: „Eigentlich habe ich ja ein konservatives Programm“, wird er später mit einem Lachen sagen, „aber weltoffen bin ich trotzdem.“ 

Daxenberger kommt gerade aus Gräfenberg, hat dort gegen den Neonazi-Aufmarsch gesprochen. Man merkt ihm die Anstrengung an: Einst ein Mannsbild von eher barocker Figur, hat der Grünen-Landesvorsitzende dreißig Kilo abgenommen, seit vor fünf Jahren bei ihm Krebs diagnostiziert wurde. Doch er schont sich nicht: Ein Besuch im Bio-Laden in Lauf steht auf dem Programm, für den Kaffee bei Familie Binder bleibt da kaum noch Zeit.

Der Kommunalwahlkampf hat begonnen; Benedikt Bisping und Achim Dobbert, Kandidat für den Posten des Landrats, haben Daxenberger auch deshalb eingeladen. Und der gibt gerne seine Unterstützung – „Ich möchte den Laufern Lust machen auf einen grünen Bürgermeister“, beginnt er seine Ansprache am Abend im Festsaal des „Alten Rathauses“ in Lauf. „Es ist wichtig, dass wir Grünen in den Kommunen stark sind – denn wir wissen, wo wir herkommen.“ 

Dann berichtet er von Waging am See: Daxenberger setzt dort vor allem auf regionale Strukturen, arbeitet eng mit den Nachbargemeinden zusammen: „Nicht jedes Dorf braucht ein eigenes Feuerwehrhaus“, meint er. Der grüne Bürgermeister kommt offensichtlich an bei seinen Bürgern – auch wenn die zunächst skeptisch waren, etwa als Daxenberger einen Montessori-Kindergarten bauen ließ. „Die hielten das für eine Sekte“, lacht er.

Für Benedikt Bisping ist der Waginger Politiker durchaus ein Vorbild: „Er hat etwas Historisches vollbracht. Vielleicht schaffen wir das in Lauf ja auch.“ Der Laufer Unternehmer sieht einen seiner Schwerpunkte in der Energiepolitik. „Unser Ziel ist eine hunderprozentige Versorgung mit regenerativer Energie“, sagt er. Außerdem möchte Bisping ein Umdenken in der Verkehrspolitik erreichen: „Die Laufer Parkhäuser sind zu teuer, die Stadt zahlt hier drauf. Dabei sind die Stadtbusse ein Erfolgsmodell.“

Daxenberger ist nach der Wahlkampfveranstaltung sichtlich geschafft. Er gönnt sich ein leichtes Weißbier, beantwortet Fragen. Morgen schon geht es weiter nach München, ins Fernsehstudio. Den Kampf mit dem Krebs hat er vorerst gewonnen – jetzt will er in den Landtag.

Pressebericht der Pegnitz-Zeitung vom 8. Oktober 2007
Foto: Michael Kipfstuhl