Igelschutz im Kreistag erneut ausgebremst: Warum unsere Kreistagsfraktion weiter für ein Nachtfahrverbot kämpft

Der gemeinsame Antrag unserer GRÜNEN Kreistagsfraktion mit der ödp zum Schutz von Igeln und anderen nachtaktiven Wildtieren vor Mährobotern wurde im Kreistag Nürnberger Land erneut nicht inhaltlich behandelt. Auf Antrag der CSU wurde der Tagesordnungspunkt am 12. Oktober 2026 gestrichen – mit Unterstützung von SPD, Freien Wählern und AfD. Unsere Kreistagsfraktion kritisiert diese Entscheidung. Denn statt darüber zu sprechen, wie unsere heimischen Wildtiere besser geschützt werden können, wurde erneut darüber diskutiert, warum sich der Kreistag damit nicht beschäftigen sollte.

Warum der Kreistag die richtige Adresse ist

Als Begründung für die Absetzung wurde angeführt, dass sich der Kreistag gemäß seiner Geschäftsordnung nur mit Angelegenheiten befassen solle, bei denen er selbst handeln könne.

Doch genau diese Handlungsmöglichkeit sieht unsere Kreistagsfraktion sehr wohl. Der Antrag zielte ausdrücklich nicht darauf ab, dass der Kreistag selbst eine Allgemeinverfügung erlässt. Vielmehr sollte er eine politische Empfehlung aussprechen und den Landrat bitten, als Leiter der Unteren Naturschutzbehörde die rechtlichen Voraussetzungen für ein Nachtfahrverbot zu prüfen.

„Wir sind die gewählten Vertreter*innen der Menschen im Nürnberger Land. Und genau auf dieser Ebene wollten wir mit unserem Antrag politische Verantwortung übernehmen. Selbstverständlich können wir als Kreistag eine Empfehlung aussprechen und den Landrat bitten, die rechtlichen Möglichkeiten für ein Nachtfahrverbot zu prüfen. Damit greifen wir nicht in die Zuständigkeit der Unteren Naturschutzbehörde ein, sondern nutzen unseren politischen Handlungsspielraum. Die Behauptung, man sei nicht zuständig, darf nicht zum Vorwand werden, sich politischer Arbeit und Verantwortung zu entziehen“, erklärt Dr. Bianca Pircher, Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Kreistag.

Andere Landkreise zeigen, dass es geht

Mit diesem Anliegen steht unsere Kreistagsfraktion nicht allein. In mehreren Landkreisen gibt es bereits vergleichbare Regelungen – und andernorts haben sich politische Gremien ausdrücklich damit beschäftigt.

Im hessischen Kreis Groß-Gerau beschloss der Kreistag im Juni 2026 mit großer Mehrheit ein Nachtfahrverbot für Mähroboter. Die Untere Naturschutzbehörde setzte den Beschluss anschließend um.

Im Rhein-Kreis Neuss beauftragte der Kreisausschuss zunächst die Verwaltung mit einer Prüfung und beschloss anschließend eine entsprechende Regelung.

Auch in Bayern gibt es bereits Nachtfahrverbote, unter anderem in den Landkreisen Schwandorf und Neumarkt. Dort wurden entsprechende Allgemeinverfügungen durch die zuständigen Naturschutzbehörden erlassen.

Selbst dort, wo sich keine Mehrheit für ein Verbot fand, wurde zumindest darüber beraten: Im Landkreis Zwickau stimmte der Kreistag im Dezember 2025 über einen entsprechenden Antrag ab. Er wurde mit 33 Ja-Stimmen, 40 Nein-Stimmen und 16 Enthaltungen abgelehnt.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern. Die Beispiele zeigen aber, dass politische Gremien das Thema aufgreifen und sich damit befassen können.

„Man kann einen Antrag ablehnen, rechtliche Bedenken vorbringen oder über die konkrete Ausgestaltung streiten. Aber dafür muss man die Debatte überhaupt führen“, kritisiert Andreas Sperling, Mitglied unserer GRÜNEN Kreistagsfraktion. „Stattdessen beschäftigen wir uns inzwischen zum wiederholten Mal damit, warum wir uns mit dem Igelschutz besser gar nicht beschäftigen sollten. Das ist ein schlechtes Signal für die politische Debattenkultur.“

Warum Mähroboter für Igel gefährlich sind

Igel sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Treffen sie auf eine Gefahr, versuchen sie häufig nicht zu fliehen, sondern rollen sich zusammen. Was sie vor natürlichen Fressfeinden schützt, kann bei einer Begegnung mit einem Mähroboter schwere oder sogar tödliche Verletzungen zur Folge haben.

Auch moderne Geräte mit Tiererkennung bieten bislang keinen nachgewiesen zuverlässigen Schutz für alle Igel. An standardisierten Sicherheitstests wird gearbeitet.

Der Vorschlag unserer Kreistagsfraktion war deshalb bewusst pragmatisch: Mähroboter sollen während der Dämmerungs- und Nachtstunden pausieren. Tagsüber können sie weiterhin genutzt werden. Für besondere Härtefälle waren im Antrag ausdrücklich Befreiungsmöglichkeiten vorgesehen.

Es geht nicht darum, Mähroboter grundsätzlich zu verbieten, sondern vermeidbare Gefahren für Wildtiere zu reduzieren.

Artenschutz beginnt vor unserer Haustür

Der Schutz der biologischen Vielfalt ist nicht nur eine Aufgabe großer Naturschutzgebiete. Er beginnt in unseren Gemeinden, auf unseren Grünflächen und in unseren Gärten.

Gerade deshalb setzt sich unsere Kreistagsfraktion für eine kreisweite Regelung ein. Sie könnte einheitliche und verständliche Rahmenbedingungen im gesamten Nürnberger Land schaffen.

„Wenn wir über eine Schutzregelung sprechen, die den gesamten Landkreis betreffen soll, dann ist es richtig, dieses Anliegen auch im Kreistag politisch aufzugreifen“, betont Bianca Pircher.

Für unsere Kreistagsfraktion ist das Thema mit der Absetzung von der Tagesordnung nicht erledigt. Sie wird sich weiterhin für den Schutz von Igeln und anderen nachtaktiven Wildtieren einsetzen, den Austausch mit Naturschutzverbänden fortführen und die Möglichkeiten für eine kreisweite Regelung weiterverfolgen.

Denn das Ziel bleibt einfach: Wenn der Igel unterwegs ist, soll der Mähroboter stehen bleiben.

„Voll normal“ – CSD Zwic…