Ein Interview von Mario Landauer (Der Bote, Nürnberger Land) mit Dr. Bianca Pircher, Fraktionsvorsitzende BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Kreistag Nürnberger Land
Gewalt gegen Frauen passiert jeden Tag. In unserer Nachbarschaft. In unserem Landkreis. Und zu oft gibt es keine wohnortnahe Antwort darauf.
Wir freuen uns sehr, dass Herr Landauer dieses Thema aufgreift und ihm den Raum gibt, den es verdient. Ein herzliches Danke für die Initiative, für die ernsten Fragen und den Artikel der daraus entstanden ist.
Wir möchten hier nochmals einen vertiefenden Blick auf die Fragen von Herrn Landauer mit den ungekürzten Antworten von Bianca richten.
Mario Landauer: Warum halten Sie ein eigenes Frauenhaus im Nürnberger Land für notwendig?
Bianca Pircher: Für mich ist das keine Frage von politischer Prioritätensetzung, sondern eine Frage von Verantwortung. Frauen, die von Gewalt betroffen sind, brauchen Schutz – sofort, verlässlich und (wenn gewünscht) vor Ort. Das ist kein freiwilliges Angebot, das man je nach Haushaltslage ausbauen kann, sondern eine staatliche Pflicht.
Deutschland hat sich mit der Istanbul-Konvention klar dazu verpflichtet, ausreichend Schutzplätze bereitzustellen. Wenn wir uns die Realität anschauen, sehen wir aber: Diese Verpflichtung wird aktuell nicht erfüllt. Der Bericht aus Schwabach zeigt ganz deutlich, dass die Kapazitäten nicht ausreichen und Frauen abgewiesen werden müssen. Und ehrlich gesagt: Das darf in einem funktionierenden System einfach nicht passieren.
Gleichzeitig höre ich in Gesprächen mit Fachstellen und Unterstützungsorganisationen immer wieder das Gleiche: Der Bedarf ist da, und er wächst. Es geht hier nicht um theoretische Zahlen, sondern um konkrete Schicksale.
Deshalb ist für mich klar: Das Nürnberger Land muss hier selbst Verantwortung übernehmen. Ein eigenes Frauenhaus ist kein Luxus – es ist ein notwendiger Schritt, um Schutz endlich sicherzustellen. Nach grober Berechnung über die Istanbuler Konvention sind pro 10.000 Einwohner ein Familienplatz sicher zustellen. Das würden 17 Familienplätze für das Nürnberger Land bedeuten.
Mario Landauer: Wo sehen Sie aktuell die größten Lücken im Hilfesystem für von Gewalt betroffene Frauen im Nürnberger Land?
Bianca Pircher: Die größte Lücke ist für mich ganz klar das fehlende wohnortnahe Schutzangebot. Wenn eine Frau Gewalt erlebt und sich mit ihren Kindern in Sicherheit bringen muss, dann darf die Antwort nicht sein, dass sie erst einmal ihren Landkreis, ihr Umfeld, ihren Alltag und oft auch die Schule oder Betreuung ihrer Kinder verlassen muss (sofern das nicht ihr eigener Wunsch ist). Schutz muss erreichbar sein, sonst wird aus einem Hilfsangebot sehr schnell eine zusätzliche Hürde. Aktuelle Zahlen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Betroffenen keinen Frauenhausplatz in ihrer Nähe finden.
Eine zweite große Lücke sehe ich im Übergang nach dem Frauenhaus. Der Sachbericht aus Schwabach beschreibt sehr deutlich, dass nur gut ein Drittel der ausgezogenen Frauen eine neue eigene Wohnung findet. Viele müssen stattdessen zu Familie oder Freund*innen, in andere Übergangslösungen oder unter schwierigen Umständen sogar wieder in alte Abhängigkeitsstrukturen zurück.
Und dann gibt es noch eine dritte Lücke, über die viel zu lange zu wenig gesprochen wurde: Gewalt verändert sich. Sie ist nicht nur körperlich, sondern auch psychisch, sozial und digital. Die Mitarbeiterinnen leisten hier unglaublich wichtige Arbeit und bilden sich kontinuierlich weiter. Gleichzeitig fehlt es häufig an Zeit, Ressourcen und passenden Fortbildungsangeboten, um mit diesen neuen Formen von Gewalt Schritt zu halten.
Mario Landauer: Welche Probleme entstehen aus Ihrer Sicht dadurch, dass betroffene Frauen derzeit auf das Frauenhaus in Schwabach angewiesen sind?
Bianca Pircher: Das erste Problem ist ganz schlicht: Die vorhandenen Kapazitäten sind zu knapp für die Aufgabe, die dieses Frauenhaus übernehmen muss. Schwabach trägt mit seinem Angebot Verantwortung nicht nur für die eigene Stadt, sondern auch für mehrere angrenzende Landkreise, darunter das Nürnberger Land. Gleichzeitig zeigt der Sachbericht, wie begrenzt die Ressourcen sind. Schon die Zahl der Plätze macht deutlich, dass dieses System permanent unter Druck steht.
Das zweite Problem ist die Entfernung. Natürlich kann räumliche Distanz im Einzelfall Schutz bedeuten. Aber wir dürfen nicht so tun, als sei jeder Ortswechsel automatisch hilfreich. Für viele Frauen ist er ein weiterer Bruch in einem Leben, das ohnehin gerade auseinanderfällt. Wer mit Kindern flieht, verliert oft nicht nur die Wohnung, sondern auch Betreuung, Alltag, Job, soziale Kontakte und ein Stück Stabilität.
Und das dritte Problem ist eines, über das man viel zu selten spricht: Wenn Hilfe zu weit weg, zu kompliziert oder zu überlastet ist, dann nehmen viele Frauen sie gar nicht erst in Anspruch. Dann bleibt Gewalt länger unsichtbar, länger unbenannt und länger folgenreich.
Mario Landauer: Haben Sie den Eindruck, dass der Bedarf im Nürnberger Land bislang unterschätzt wurde? Wenn ja, warum?
Bianca Pircher: Ja, diesen Eindruck habe ich sehr deutlich. Und zwar nicht, weil ich mit abstrakten Annahmen arbeite, sondern weil man in Gesprächen mit Fachstellen, Beratungsangeboten und den Menschen, die diese Arbeit jeden Tag leisten, sehr schnell merkt, wie groß der Druck tatsächlich ist. Was von außen manchmal wie ein Randthema behandelt wird, ist in Wahrheit eine permanente Krisenarbeit, die von hoher Belastung, knappen Ressourcen und einer erschütternden Zahl an Fällen geprägt ist.
Auch die bundesweiten Zahlen sprechen eine klare Sprache. Das BKA hat für 2023 256.276 Opfer häuslicher Gewalt registriert; 70 Prozent davon waren weiblich. Das ist ein Anstieg um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wer angesichts solcher Entwicklungen noch so tut, als könne man beim Gewaltschutz auf Sicht fahren, der unterschätzt nicht nur Zahlen, sondern menschliches Leid.
Hinzu kommt, dass Statistiken immer nur das Hellfeld abbilden. Gewalt gegen Frauen geschieht häufig im Privaten, im Verborgenen, in Beziehungen, in Familien, in Abhängigkeitsverhältnissen. Was sichtbar wird, ist oft nur ein Ausschnitt dessen, was tatsächlich passiert. Genau deshalb halte ich es für so wichtig, den Berichten aus der Praxis zuzuhören und sie politisch ernst zu nehmen — und nicht erst dann zu reagieren, wenn die Lücke längst unübersehbar geworden ist.
Mario Landauer: Wie bewerten Sie die Entwicklung, dass es im Frauenhaus Schwabach mehr Beratungsbedarf gibt, zugleich aber weniger Polizeimaßnahmen verzeichnet werden? Was sagt dieses Ungleichgewicht aus Ihrer Sicht über Gewalt gegen Frauen und über den Zugang zu Hilfsangeboten aus? Haben Sie einen Verdacht, warum die Anzahl der Maßnahmen durch die Polizei sinkt, obwohl die Beratungsleistungen der Interventionsstelle ansteigen? Immerhin wird die Interventionsstelle nur tätig, wenn ein Polizeieinsatz vorliegt.
Bianca Pircher: Für mich ist dieses Ungleichgewicht kein Widerspruch, sondern ein sehr deutliches Warnsignal. Mehr Beratungsbedarf bedeutet nicht, dass sich die Situation verbessert – im Gegenteil. Es zeigt, dass mehr Frauen Unterstützung brauchen oder den Mut finden, sich Hilfe zu suchen. Und wenn man sich die Praxis anschaut, wird schnell klar, wie komplex diese Situationen sind: Es geht nie nur um Schutz, sondern immer gleichzeitig um Existenzsicherung, um Kinder, um Wohnraum, um psychische Stabilisierung. Das Hilfesystem arbeitet hier längst am Limit.
Dass die polizeilichen Maßnahmen nicht parallel ansteigen, sagt aus meiner Sicht weniger über weniger Gewalt aus – sondern viel mehr über die Realität von Gewalt. Denn Gewalt passiert oft nicht in einer Form, die sauber in Statistiken passt oder automatisch zu polizeilichen Maßnahmen führt.
Wir müssen dabei auch ehrlich über die Hürden sprechen, die Betroffene erleben. Viele Frauen – und besonders auch junge Frauen und Mädchen – scheuen den Weg über Anzeige und Polizei ganz bewusst. Nicht, weil die Gewalt weniger schwer wäre, sondern weil die Verfahren belastend, langwierig und oft entmutigend sind. Es steht Aussage gegen Aussage, und viele haben die Erfahrung oder zumindest die berechtigte Angst, dass ihnen trotz schwerem Trauma nicht geglaubt wird. Diese hohe Bürokratie und diese Unsicherheit schrecken ab – und das ist ein strukturelles Problem, kein individuelles.
Gleichzeitig verändert sich Gewalt. Sie ist heute oft weniger sichtbar, verlagert sich in psychische und vor allem digitale Formen. Stalking über Nachrichten, permanente Kontaktversuche, Kontrolle über Smartphones oder soziale Medien – all das ist für viele Frauen Realität, wird aber nicht immer als klassischer „Polizeifall“ erfasst oder führt nicht unmittelbar zu Maßnahmen.
Und wir sehen auch, dass sich das Hilfesystem selbst verändert. Beratungsstellen werden sichtbarer, spezialisierter und niedrigschwelliger. Das führt dazu, dass Frauen sich früher und direkter dorthin wenden – ohne dass es zwingend zu einer Eskalation kommt, die polizeiliche Maßnahmen auslöst.
Für mich ergibt sich daraus ein sehr klares Bild: Wir dürfen uns nicht auf einzelne Kennzahlen verlassen. Die steigende Nachfrage nach Beratung ist das deutlich ehrlichere Signal dafür, wie groß die Not tatsächlich ist. Und wenn unser System darauf keine durchgängige, vertrauenswürdige Antwort geben kann, dann ist das kein statistisches Problem – sondern ein klarer politischer Handlungsauftrag.
Mario Landauer: Wie konkret sind Ihre Pläne für ein eigenes Frauenhaus im Nürnberger Land?
Meine Pläne sind sehr konkret, weil ich finde, dass die Zeit der bloßen Betroffenheitsrhetorik vorbei sein muss. Wir wissen, dass Schutzplätze fehlen. Wir wissen, dass Deutschland den Standard der Istanbul-Konvention nicht erfüllt. Wir wissen, dass das Hilfesystem bundesweit unterversorgt ist und dass laut Frauenhauskoordinierung rund 14.000 Frauenhausplätze fehlen. Und wir wissen inzwischen auch, dass das Gewalthilfegesetz den Ländern ab 1. Januar 2027 die Verantwortung auferlegt, ein flächendeckendes, bedarfsgerechtes Netz an Schutz- und Beratungsangeboten bereitzustellen.
Deshalb ist für mich klar: Wir GRÜNE müssen im Kreistag nicht nur sagen, dass wir ein Frauenhaus wollen, sondern die politischen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen dafür aktiv einfordern. Dazu gehört für mich auch, solche Themen strukturell im Kreistag zu verankern, etwa über einen klaren politischen Schwerpunkt auf Gleichstellung (inkludiert auch bzw. insbesondere den Gewaltschutz und die Arbeit zur Errichtung eines Frauenhauses) und Inklusion.
Und ich will das auch persönlich sagen: Dieses Thema ist für mich nicht einer von vielen Programmpunkten. Es ist eine Frage von Würde, Sicherheit und Gerechtigkeit. Wenn Frauen und Kinder in unserem Landkreis Schutz suchen, dann darf unsere Antwort nicht Ausweichen, Vertagen oder Zuständigkeitsgerangel sein. Dann muss unsere Antwort lauten: Wir nehmen das ernst, und wir handeln.
Mario Landauer: Steht für Sie eher ein klassisches Frauenhaus im Fokus oder denken Sie auch an weitere Schutz- und Beratungsangebote?
Bianca Pircher: Für mich wäre es ein Fehler, diese Frage gegeneinander auszuspielen. Ja, wir brauchen ein Frauenhaus, also einen konkreten Schutzort, an dem Frauen und ihre Kinder sofort unterkommen können. Aber genauso klar ist für mich: Ein Frauenhaus allein reicht heute nicht mehr aus, wenn wir Gewalt wirklich wirksam bekämpfen wollen. Das Gewalthilfegesetz selbst ist deshalb bewusst breiter angelegt und spricht nicht nur vom Schutz, sondern auch von Beratung, Mindeststandards, Qualitätssicherung und einem bedarfsgerechten Netz von Angeboten.
Gerade die Praxis zeigt doch, wie sehr diese Dinge zusammenhängen. Der Schwabacher Sachbericht verweist auf die Bedeutung von Interventionsstelle, Online-Beratung, Dolmetscherdiensten und Second-Stage-Projekt. Also: akuter Schutz, niedrigschwellige Beratung, sprachliche Zugänglichkeit und Hilfe beim Übergang in ein eigenes Leben. Wer nur über das Gebäude spricht, aber nicht über die gesamte Schutzkette, der denkt das Problem zu klein.
Und ich will ausdrücklich auch die digitale Gewalt nennen, weil sie längst kein Nischenthema mehr ist. Das BKA zeigt, dass Frauen online besonders häufig betroffen sind, und genau deshalb habe ich mich mit meinem eigenen Antrag zum Schutz vor digitaler Gewalt auch politisch als Delegierte im Bundesfrauenrat der GRÜNEN eingebracht (18.-19. April in Berlin). Wer Gewalt heute ernst nimmt, muss sie in all ihren Formen ernst nehmen — analog, psychisch, wirtschaftlich und digital.
Mario Landauer: Welche Schritte müssten aus Ihrer Sicht als Erstes erfolgen, damit ein Frauenhaus im Nürnberger Land Realität werden kann?
Am Anfang steht für mich eine ehrliche politische Entscheidung: Wollen wir wirklich, dass Frauen im Nürnberger Land besser geschützt werden, oder wollen wir weiter darauf hoffen, dass bestehende Strukturen außerhalb des Landkreises irgendwie mittragen, was eigentlich unsere Verantwortung wäre? Diese Grundsatzentscheidung muss zuerst getroffen werden, und sie muss klar sein. Ist dies klar können wir bspw. in von mir/uns angedachten Ausschuss für Soziales, Gleichstellung und Inklusion über die konkrete Umsetzung sprechen.
Nun braucht es meiner Ansicht nach drei Dinge gleichzeitig: erstens eine belastbare Bedarfsplanung, zweitens die Einbindung erfahrener Träger und Fachstellen, und drittens eine saubere Finanzierungsstrategie.
Das Gewalthilfegesetz gibt dafür einen neuen Rahmen vor: Die Länder müssen ab 2027 ein bedarfsgerechtes Netz sicherstellen, der Bund beteiligt sich über zehn Jahre mit 2,6 Milliarden Euro, und ab 2032 greift ein Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung. Das ist eine enorme Chance — aber nur dann, wenn vor Ort jetzt nicht geschlafen wird.
Mario Landauer: Welche konkreten nächsten Schritte wollen Sie anstoßen?
Ich will auf mehreren Ebenen gleichzeitig Druck machen, weil Gewaltschutz genau dieses Zusammenspiel braucht.
Auf Landkreisebene heißt das für mich: Ich werde mich als Kreistagsmitglied und Fraktionsvorsitzende dafür einsetzen, dass das Thema Frauenhaus im Nürnberger Land nicht nur als wohlklingende Forderung stehen bleibt, sondern politisch so konkret wird, dass am Ende das Frauenhaus steht und hilft — beginnend mit dem Ausschuss, mit Bedarfsprüfung, Trägergesprächen, Standortfragen und dem klaren Ziel, eigene Schutzstrukturen aufzubauen – bis zum Ende der kommenden Legislatur.
Und ich will auf einer weiteren Ebene wirken: der bundespolitischen Weiterentwicklung. Mein Antrag zum Schutz vor digitaler Gewalt gehört genau hierhin, weil wir endlich anerkennen müssen, dass Gewalt heute auch über Smartphones, Standortdaten, Accounts, Deepfakes, Überwachung und digitale Einschüchterung ausgeübt wird. Für mich heißt das: Wir dürfen nicht nur auf klassische Gewaltbilder reagieren, sondern müssen Schutz endlich so denken, wie Gewalt tatsächlich stattfindet.
Mario Landauer: Sehen Sie mit dem Gewalthilfegesetz jetzt tatsächlich bessere Chancen für ein eigenes Frauenhaus im Nürnberger Land?
Bianca Pircher: Ja, absolut — aber nicht, weil das Gesetz allein schon alles löst, sondern weil es endlich einen verbindlicheren Rahmen schafft, auf den man politische Verantwortung stützen kann. Das Gewalthilfegesetz verpflichtet die Länder dazu, ab 2027 ein flächendeckendes, bedarfsgerechtes Netz an Schutz- und Beratungsangeboten bereitzustellen. Es sieht künftig kostenfreie Angebote, Mindeststandards, Qualitätssicherung und eine Bundesbeteiligung von rund 2,6 Milliarden Euro bis 2036 vor. Und ab 2032 gibt es erstmals einen individuellen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung für Frauen und ihre Kinder. Das ist ein historischer Fortschritt.
Gerade weil das Gesetz so wichtig ist, finde ich die bayerische Umsetzung bisher aber auch so unbefriedigend. Aus dem Familienministerium kam lange vor allem der Hinweis auf eine laufende Ausgangsanalyse. Gleichzeitig wurde öffentlich kritisiert, dass Bayern neun Monate vor Inkrafttreten des zentralen Umsetzungszeitpunkts noch keinen klaren Zeitplan, keine gesicherte Finanzierung und keinen fertigen Gesetzentwurf hatte und dass sogar 35 Millionen Euro fehlten. Erst durch politischen Druck wurde erreicht, dass das notwendige Landesausführungsgesetz nun bis spätestens 16. Juli 2026 vorgelegt werden muss. Diese Kritik gehört aus meiner Sicht klar benannt. Wer beim Gewaltschutz zu spät plant, plant auf Kosten von Frauen und Kindern. (Weiteres dazu bei Julia Post, MdL)
Deshalb lautet meine Antwort: Ja, die Chancen sind heute besser als vorher. Aber sie werden nur dann Realität, wenn wir aus dem Gesetz auch vor Ort Konsequenzen ziehen. Ein gutes Bundesgesetz ist kein Ersatz für politischen Willen im Landkreis und kein Ersatz für eine Landesregierung, die ihre Umsetzung verschleppt. Ich will, dass wir genau an diesem Punkt nicht länger zuschauen, sondern handeln.
Wir danken Herrn Landauer herzlich für das Interview und die Genehmigung zur Veröffentlichung.
