„Das ist keine Tradition – das ist öffentliche Demütigung.“
Mit deutlichen Worten positionieren wir uns auf Landes-, Kreis- und Ortsebene gemeinsam zu den Vorfällen rund um den sogenannten „Matschgerla“-Wagen beim Fasching in Leinburg. Die Berichte über die öffentliche Bloßstellung von Frauen haben im gesamten Landkreis für Entsetzen gesorgt. Für uns ist klar: Diese Praxis darf nicht folgenlos bleiben.
Dr. Sabine Weigand, Mitglied des bayerischen Landtags und promovierte Historikerin findet deutliche Worte: “Es geht hier nicht um vermeintliches Brauchtum, sondern um bösartigen, übelsten Rufmord. Das ist definitiv justitiabel und hier sollten unbedingt rechtliche Schritte eingeleitet werden. Es kann nicht sein, dass eine Gruppe von selbsternannten Femerichtern unter dem Deckmäntelchen der Tradition mit klammheimlicher Freude Frauen diffamiert. Was um Himmels Willen sind das für Menschen, die ein widerwärtiges Vergnügen daran haben, Existenzen zu zerstören, Familien mit Kindern zu vernichten? Diese ekelhaften Matschgerla gehören verboten – zum Schutz aller Leinburgerinnen und Leinburger!”
Nach Einschätzung von Nadine Reers-Kleinhenz, unserer Sprecherin wird mit den Plakaten eine klare Grenze überschritten. Frauen würden öffentlich bloßgestellt, Familien gezielt verletzt und sogar Kinder mit hineingezogen. Dass sich Frauen dadurch in ihrer eigenen Heimat nicht mehr sicher fühlen könnten, zeige deutlich, dass es sich nicht um Brauchtum handle, sondern um gezielte Demütigung.
Auch die GRÜNE Ortsgruppe Leinburg stellt sich klar an die Seite der Betroffenen und verweist auf den enormen sozialen Druck, der durch die öffentliche Bloßstellung entsteht. Viele Betroffene würden aus Angst schweigen – genau das mache deutlich, wie problematisch die Situation sei. Eine Gemeinschaft dürfe ein solches Verhalten nicht dulden.
Johannes Ott von den GRÜNEN in Leinburg macht deutlich, dass für ihn als Familienvater zweier Töchter hier eine klare Grenze überschritten ist. Es sei inakzeptabel, dass Frauen öffentlich bloßgestellt würden, während die Verantwortlichen anonym blieben. Besonders erschütternd sei, dass auch Kinder unter den Folgen leiden. Gemeinde und Gesellschaft muss endlich Konsequenzen ziehen und den Betroffenen zeigen, dass sie nicht allein sind.
Die GRÜNEN unterstützen ausdrücklich die Petition gegen den „Matschgerla“-Wagen und schließen sich der Forderung an, diese Form der öffentlichen Bloßstellung zu beenden. Für sie steht fest: Der Wagen darf in seiner bisherigen Form künftig nicht mehr zugelassen werden. Gleichzeitig müsse geprüft werden, inwieweit strafrechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen möglich sind.
Dr. Bianca Pircher, Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN Kreistagsfraktion, ordnet die Vorfälle als strukturelles Problem ein. Wenn Menschen – insbesondere Frauen – öffentlich diffamiert würden und sich aus Angst nicht wehren, zeige das, dass es sich nicht um Einzelfälle handle. Es sei nicht hinnehmbar, dass Betroffene allein gelassen würden, während die Verantwortlichen anonym bleiben.
Zugleich betont sie, dass Traditionen dort ihre Grenze finden, wo die Würde von Menschen verletzt wird. Wer andere öffentlich herabwürdige, müsse zur Rechenschaft gezogen werden. Politik habe die Verantwortung, klare Grenzen zu setzen und Betroffene zu schützen.
Auch Saskia Gumbert, Mitglied der neu gewählten GRÜNEN Kreistagsfraktion, macht deutlich, dass Traditionen nicht statisch seien. Sie müssten sich verändern – insbesondere dann, wenn sie auf Kosten anderer gehen. Wer sich hinter dem Argument „Das war schon immer so“ verstecke, blende aus, wer die Folgen zu tragen habe. Ein Perspektivwechsel zeige schnell, wie eindeutig die Situation sei – spätestens dann, wenn man sich vorstelle, es würde die eigene Partnerin, Schwester oder Mutter betreffen.
Unser Kreissprecher Kai-Uwe Kuwertz kritisiert zudem die Anonymität der Täter. Männer würden sich im Schutz vermeintlicher Traditionen verstecken, um Frauen öffentlich anzugreifen. Dies dürfe nicht als Einzelfall verharmlost werden, sondern müsse im Kontext struktureller Übergriffe gesehen werden. Nicht die betroffenen Frauen dürften sich schämen, sondern die Täter – und auch diejenigen, die über Jahre hinweg weggesehen hätten.
Die GRÜNEN kündigen an, das Thema weiter zu verfolgen und sich auf allen Ebenen für konkrete Schutzmaßnahmen sowie eine stärkere Unterstützung von Betroffenen einzusetzen. Es reiche nicht aus, auf Einsicht zu hoffen – notwendig seien klare Regeln, klare Konsequenzen und eine klare Haltung.
Für uns GRÜNE aus dem Nürnberger Land ist klar: Die Würde von Menschen – und insbesondere von Frauen – ist nicht verhandelbar.